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Kayser: Zweifelhafte Straßennamen müssen verschwinden – pragmatische Lösungen helfen

Lippstadt (spd). Der Antrag des SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans-Joachim Kayser, bezogen auf die Wagenfeldstraße, hat, wie in vielen Städten des Landes, auch in Lippstadt eine Diskussion über zweifelhafte Straßenbenennungen in Gang gesetzt. In den Focus sind dabei besonders solche Namen geraten, die sich auf Menschen beziehen, die dem nationalsozialitischen Gedankengut deutlich Vorschub geleistet haben, was sich zum Teil erst in den letzten Jahren in der Deutlichkeit ergeben habe.

„Wenn man Straßen nach Menschen benennt, will man sie damit ehren. Stellt sich später heraus, dass der Geehrte nicht ehrenwert ist, weil er neben seinen unbestrittenen Verdiensten, noch eine andere, dunkle Seite hatte, ist die Ehrung infrage zu stellen. Bei Karl Wagenfeld ist seine sehr zweifelhafte Rolle, die er im Hinblick auf die nationalsozialistische Ideologie eigenommen hat, durch verschiedene wissenschaftliche Veröffentlichungen, so zum Beispiel im Lexikon der Westfälischen Autorinnen und Autoren, nachgewiesen. Deshalb kann niemand ernsthaft verlangen, es bei der jetzigen Benennung einfach zu belassen. Man müsste sich dafür schämen“, begründet Kayser seinen Vorstoß.

Natürlich könne er verstehen, dass die Anwohner der Straße sich erst einmal abwehrend verhielten, weil sie Kosten und Mühen scheuten, die sie bei einer Umbenennung auf sich zukommen sehen. All diese Irritationen hätten vermieden werden können, wenn man von Seiten der Verwaltung die Anwohner rechtzeitig und umfassend über Karl Wagenfeld informiert hätte. „Wer wohnt schon gerne in einer Straße, die nach einem Wegbereiter der Nazis benannt ist?“

In den politischen Gremien sei darüber hinaus bereits zu Beginn der Diskussion einhellig über alle Fraktionsgrenzen hinweg die Meinung vertreten worden, dass den betroffenen Anwohner keine Kosten entstehen sollten, wenn es zu Umbenennungen käme. Man war sich auch einig, neue Straßenschilder gegebenenfalls zwar unverzüglich nach Umbenennung aufzuhängen, die alten aber nicht zu entfernen, sondern durchgestrichen für einen längeren Zeitraum hängen zu lassen. Auch darüber hätte man frühzeitig informieren können.

Im Fall der Wagenfeldstraße biete sich ein noch einfacherer Weg an, den die Anwohner jetzt in die Diskussion gebracht hätten. Nämlich eindeutig klarzumachen, dass sie nicht nach Karl Wagenfeld benannt ist. Sie, wie unter anderem vorgeschlagen, in „Wilhelm-Wagenfeld-Straße“ umzubenennen, sei eine einfach umzusetzende Maßnahme. Der neue Namensgeber sei ein bekannter Bremer Produktdesigner, der aus dem Bauhaus Weimar hervorgegangen und über jeden politischen Zweifel erhaben sei. So hätten ihn laut Wikipedia die Nazis an die Ostfront geschickt, weil er sich geweigert hatte in die NSDAP einzutreten.

In dem Zusammenhang, so Kayser, hätte er sich gewünscht, dass der Heimatbund Lippstadt, der von der Stadtverwaltung seit Jahren grundsätzlich in Straßenbenennungen eingebunden werde, in der Frage der zweifelhaften Namen eine aktive Rolle eingenommen hätte, um die Diskussion auf eine politisch neutrale Ebene zu bringen. Aber anstatt hilfreich an der Aufklärung mitzuwirken, habe der Heimatbund es vorgezogen, sich an der Lösung der heiklen Fragen nicht zu beteiligen, was ihn aber nicht davon abgehalten habe, die Frage zu stellen, ob ausreichend Frauen bei den Straßenbenennungen berücksichtigt seien.

Für das weitere Vorgehen schlägt Kayser vor, die Richtlinien für Straßenbenennungen nun in Ruhe auszudiskutieren und zu verabschieden. Danach könne man dann die beiden vorliegenden Anträge auf Straßenumbenennungen beraten und entscheiden.

Pressekontakt: Hans-Joachim Kayser, Tel.: 02941 21162

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