Aktuelle Nachrichten
Empfang: 20 Jahre Jugendamt

Vor 20 Jahren erhielt Lippstadt auf unsere Initiative hin ein eigenes Jugendamt. Daran erinnerte die Lippstädter SPD am ss Mai im Mikado mit einem Empfang.

Hier ist der Bericht von Hans Zaremba dazu:

Als der Stadtrat am Montag, 30. Januar 1995, endlich grünes Licht für die Bildung eines Stadtjugendamtes gab, hatten die Mitglieder der vorherigen Ratsversammlungen über das Pro und Kontra einer Jugendbehörde in städtischer Regie eine über 15-jährige Debatte geführt. Es dürfte wohl kaum ein Thema nach der am 1. Januar 1975 in Kraft getretenen kommunalen Neuordnung die Damen und Herren im Rathaus so häufig beschäftigt haben, wie die seit 1980 im Zuge der jährlichen Etatberatungen fortwährend wiederkehrenden SPD-Anträge für eine Übergabe der Befugnisse für die Jugendarbeit aus dem fernen Soester Kreishaus in die Kompetenz der Stadt Lippstadt.

Entstehung

Das bedeutungsvolle Votum der damaligen „gestalterischen Mehrheit im Rat“ aus SPD, Grüne und BG in der Ägide des von der SPD gestellten Bürgermeisters Klaus Helfmeier für das Jugend- und Sozialwesen aus 1995 war für die Sozialdemokraten im Mai der Anstoß, zum Stelldichein ins „Mikado“ zu laden. Zur Eröffnung erinnerten die Landtagsabgeordnete Marlies Stotz und der Vorsitzende des städtischen Jugendhilfe- und Sozialausschusses, Hans Zaremba, an die Diskussionen jener Jahre, in denen stets von den Skeptikern (CDU und FDP) in den damaligen Stadträten und aus der Verwaltungsspitze im Stadthaus das Kostenargument für die Ablehnung der SPD-Initiativen angeführt wurde. „Dabei haben die Zweifler selten hinterfragt, was Lippstadt eigentlich an Gegenleistung für die üppige Sonderkreisumlage bekam, die aus dem Stadtetat für das Jugendamt im Soester Kreishaus aufzubringen war, ohne dass der Rat oder ein Ausschuss in Lippstadt auf die Arbeit der Behörde des Kreises einen direkten Einfluss nehmen konnte“, bemerkte Hans Zaremba zu jenen 13 Millionen DM, die noch 1995 aus der Schatulle der Stadt in die Kasse des Kreises flossen. „Doch die Bedenken aus den anderen Fraktionen konnten rasch ausgeräumt werden, was die spätere Erfolgsgeschichte des Stadtjugendamtes schnell offenbarte“, stellte die Landes- und Kommunalpolitikerin Marlies Stotz zu den „sinnvollen Investitionen der vergangenen zwei Jahrzehnte“ heraus. Zudem betrachtete sie die größere Bürgernähe und die besseren Möglichkeiten der Präventionsmaßnahmen, die durch die Lippstädter Übernahme der Zuständigkeit für das Jugendamt gegeben waren.

Personal

„Eine wesentliche Voraussetzung für die bis in die Gegenwart bestehende Erfolgsgeschichte des in 1995 beschlossenen neuen Amtes waren die richtungsweisenden Entscheidungen bei der Auswahl des Personals“, führte Hans Zaremba aus. Ein Glücksfall sei es gewesen, dass mit dem neuen Jugendamt umgehend der Fachbereich Jugend und Soziales gebildet und der bis dato als Sozialamtsleiter tätige Wolfgang Roßbach in Personalunion zum ersten Chef des neuen Fachbereichs und Leiter des Jugendamts vom Stadtrat berufen wurde. Auch die anderen Verfügungen, die Auswahl der Leiterinnen und Leiter der Fachdienste, bezeichnete der heutige Fachausschussvorsitzende als „gute und vorausschauende Maßnahmen“, die den jungen Aufgabenbereich schnell in die Erfolgsspur geführt hätten. Zwei der ersten Fachdienstleiter, Helga Rolf für die „Sozialen Dienste“ und Klaus Rennkamp mit der Verantwortung für die „Allgemeine Jugendhilfe“, sind auch heute noch in ihren Funktionen tätig.

Bilanz

Durch den Beschluss von 1995 hätten Projekte auf den Weg gebracht werden können, die zuvor kaum denkbar waren, unterstrichen Marlies Stotz und Hans Zaremba. So die Errichtungen der Begegnungszentren „Treff am Park“ im Südwesten 1998), „Mikado“ im Wohnpark Süd (1999), die „Märkte der Möglichkeiten“ (ab 2002), die Einführung der Schulsozialarbeit (2002/03) und die Offene Ganztagsschule (2003), das Jugend- und Familienbüro (2005) und die Mobile Beratung für Familien und Kleinkinder (2008). Dies gelte auch für die Erstellung der Sozialberichte aus 1998 und 2005, die sowohl der Politik als auch der Verwaltung eine Fülle von Daten für die notwendigen kommunalen Entscheidungen lieferten. „Daher begrüßen wir es auch, dass zum Jahresende die dritte Auflage vorgelegt werden soll“, betonte die SPD-Stadtverbandschefin Marlies Stotz. Überdies hob der Fachausschussvorsitzende Hans Zaremba hervor, dass ohne eine städtische Jugendbehörde die reibungslose Weiterführung der in 2007 vom Deutschen Roten Kreuz aus wirtschaftlichen Gründen aufgegebenen Kindertagesstätten nicht darstellbar gewesen sei. Ähnliches gelte auch für die vielen Um- und Ausbauten anderer Kitas im Stadtgebiet. „Nur so konnte bei den Betreuungsplätzen für die unter Dreijährigen ein Versorgungsgrad von 39 Prozent und bei den über Dreijährigen gar eine Quote von 99 Prozent erreicht werden.“

Strategisches Zentrum für Jugendliche

Als „Kern der kommunalen Selbstverwaltung“ charakterisierte Ministerialdirigent Manfred Walhorn die Aufgabe der Jugendbehörden zwischen Rhein und Weser. Der Abteilungsleiter für Kinder und Jugend aus dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW war auf Einladung der örtlichen Landtagsabgeordneten Marlies Stotz ins „Mikado“ gekommen.

Rechtsanspruch

„Es gibt kaum ein anderes Feld in Politik und Verwaltung, welches so eng mit gesellschaftlichen Auseinandersetzungen verbunden ist“, veranschaulichte der Beamte aus Düsseldorf die Aufgaben der kommunalen Jugendämter. Zugleich stellte er die Eigenheit der Jugendbehörden als sozialpädagogische Einrichtung und ihre besondere Verfasstheit als Institution, bestehend aus Verwaltung und Jugendhilfeausschuss, heraus. Durch diese Konstruktion könne eine gehörige Schlagkraft für die Gestaltung in der Praxis herbeigeführt und das Profil der Jugendhilfe bestimmt werden. „Wenn ich also dem Amt gratuliere, dann gelten meine Glückwünsche gleichzeitig den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses“, betonte der im nahen Gütersloh beheimatete Gast der Lippstädter SPD. Überdies erinnerte Manfred Walhorn an den 1996 – ein Jahr nach dem Votum für ein Stadtjugendamt – vom Bundestag verabschiedeten Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab drei Jahre. Dieses Gesetz habe seinen Ursprung in den Überlegungen der einstigen Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, Katharina Focke (SPD) für ein modernes Jugendhilferecht aus dem Jahr 1974. „Dadurch wurde eine neue Ära in der Kinder- und Jugendhilfe eingeläutet.“ Trotz aller Versuche der Unionsparteien, die Reformansätze nach der im Juli 1980 erfolgten Zustimmung durch die SPD/FDP-Mehrheit im Bundestag über das Veto des damals von ihnen dominierten Bundesrates zu verhindern, habe sich der Fortschritt in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe nicht mehr aufhalten lassen. Auch die 1979 vom bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) in einem Brief an den Vorsitzenden des Deutschen Bundesjugendringes noch heraufbeschworene Befürchtung, dass damit Tausende von linken Sozialarbeitern die Familien stürmen würden, sei verpufft.

Versorgungsquoten

Mit dieser bundesrechtlichen Regelung sei den Jugendämtern zwangsläufig eine besondere Bedeutung zugefallen, um die kommunalen Voraussetzungen für die Umsetzung der vom Bundestag noch in Bonn gefassten Entscheidung zu schaffen. Daraufhin seien in den vergangenen 19 Jahren für die Kitas im Stadtgebiet insgesamt 5.362 Millionen Euro an Bundes- und Landesmittel nach Lippstadt geflossen. Dadurch konnten an der Lippe die stolzen Versorgungsquoten von 99 Prozent (bei den über dreijährigen Kindern) und 39 Prozent (für die unter Dreijährigen) erzielt und ein „rasanter Wandel der Kindertagesstätten zu Familienzentren“ bewirkt werden.

Profilschärfe

Darüber hinaus wünschte Manfred Walhorn, der Bildung in der Jugendhilfe mehr Profilschärfe zu geben und die Zusammenarbeit mit den Schulen auszubauen. Ebenso wurde von ihm der Aspekt „der frühen präventiven Arbeit und des Kinderschutzes“, auch in der jüngsten Sitzung des Lippstädter Jugendhilfe- und Sozialausschusses ein Punkt, angesprochen. Obendrein betrachtete er die Hilfen zur Erziehung, die gleichfalls im Mai Thema im Jugendhilfe- und Sozialausschuss waren: „Die Explosion dieser Aufwendungen zeige, wie fragil die Situation in vielen Familien geworden ist.“ Erziehung werde zu einer Mammutaufgabe, die Eltern allein immer weniger meistern könnten. „Aber junge Menschen sind auch konfliktträchtiger geworden“, fügte der Ministerialdirigent hinzu.

Aufstellung

Zudem setzte sich der Landesbedienstete mit der These „Sind die Jugendämter offensiv genug aufgestellt? auseinander. Nach seiner Einschätzung befinden sich die Jugendbehörden in einer besonderen Schwierigkeit: „Allein mit den Mittel der Pädagogik lassen sich die Probleme junger Menschen nicht lösen.“ Hinzukommen müssen Ansätze, die struktureller Art sind und in anderen Politikfeldern liegen. Das erfordere auch ein größeres politisches Verständnis von sozialer Arbeit, weshalb sich Jugendämter als „strategisches Zentrum für Kinder und Jugendliche“ begreifen sollten.

2015-05-18_20JahreJugendamt-2

Beifall für viele interessante Einblicke: Der Vorsitzende des Jugendhilfe- und Sozialausschusses der Stadt Lippstadt, Hans Zaremba (links), und die heimische Landtagsabgeordnete Marlies Stotz applaudieren dem Ministerialdirigenten und Abteilungsleiter für Kinder und Jugend aus dem Düsseldorfer Landesministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Manfred Walhorn, für seine aufschlussreichen Schilderungen zur „Entwicklung der Jugendhilfe in Nordrhein-Westfalen“. Foto: SPD/Mathias Marx

 

 

 

 

Kategorien: Jugend, Soziales, SPD-Fraktion Lippstadt, SPD-Stadtverband Lippstadt, Veranstaltung | Stichwörter: , , , , , , .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.