Aktuelle Nachrichten
Die Betonpuppen

Kommentar von Yasmine Freigang, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, zur Sitzung des Schul- und Kulturausschusses am 24.1.2017 und der Berichterstattung darüber im Patriot am 26.1.2017

In einer Demokratie ist die Gestaltung des öffentlichen Raumes Sache aller Bürgerinnen und Bürger. Egal ob man ein Haus errichten, seine Geschäftsreklame modernisieren oder einen Baum pflanzen will – die Vertreter der Bürgerinnen und Bürger im Rat beziehungsweise seinen Ausschüssen sowie die zuständige Abteilung der Verwaltung sind in ein Vorhaben einzubinden; in den meisten Fällen gibt es sogar Gesetze und Vorschriften, zum Beispiel eine Gestaltungssatzung.

Nach Meinung des Patrioten braucht man dieses demokratische Verfahren offenbar nicht anwenden, wenn es um die Gestaltung des öffentlichen Raumes zum Beispiel durch Skulpturen geht. Denn im Artikel heißt es im dritten Absatzu zum Verfahren der Aufstellung: „Das übrigens ohne große Debatte und Hickhack im politischen Raum, sondern auf dem kleinen Dienstweg nach Rücksprache mit der Verwaltung. Was wohl auch reibungslos funktionierte.“ – Aha! So also macht man das, wenn es um Kunst und Kultur geht …
Wir von der SPD haben versucht herauszufinden, welche Person in der Verwaltung über die Aufstellung entschieden hat. Das war nicht möglich. Niemand scheint das zu wissen (oder will es sagen). Die Mitarbeiter des Fachdienstes Kultur sind jedenfalls nicht gefragt, geschweige denn informiert worden. Auch nicht die zuständigen Politikerinnen und Politiker.

Das ist jetzt die dritte Betonpuppe, die auf diese Weise aufgestellt wird, nämlich ohne die Öffentlichkeit zu beteiligen. Unserer Meinung nach geht das so nicht. Auch nicht, wenn es sich um ein Geschenk handelt. Deshalb hat sich die SPD dem Vorschlag der Verwaltung angeschlossen, die Entscheidung darüber zurückzustellen. Und das habe ich im Ausschuss deutlich gemacht, indem ich dem Vorsitzenden der ISG Herrn Freund sagte, „wir hätten uns gewünscht, dass Sie vor Beginn des ganzen Projekts Kontakt aufnehmen und die Aufstellung der Figuren klären. Dann hätten wir jetzt kein Problem.“

Die erste Figur (alte Dame) haben wir noch ohne Kommentar hingenommen, dann kam plötzlich eine zweite (Marktbeschicker), für die Dritte (Zeitungsleser) hat die ISG jetzt immerhin gefragt. Und uns Kulturpolitikern gleichzeitig die Pistole auf die Brust gesetzt.

Damit die Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitiker in unserer Fraktion nicht missverstanden werden: Wir schätzen das Engagement des Spenders (in der dritten Spalte des Artikels fälschlich als Sponsor bezeichnet)! Und es geht in dieser Sache nicht um künstlerisch-ästhetische Aspekte der Betonpuppen, obwohl die Diskussion in der Sitzung zeitweilig in diese Richtung driftete.

Mir hat die Sitzung einmal mehr gezeigt, dass wir dringend ein Konzept, also Regeln brauchen, wie wir mit Kunst im öffentlichen Raum umgehen. Eine knappe Mehrheit der Politikerinnen und Politiker mochte am Dienstag aber nicht warten, bis wir solche Regeln haben. Der Fachdienst Kultur will einen Entwurf dazu im März vorstellen. Selbst wenn die Beratung darüber und die Beschlussfassung ein halbes Jahr oder länger dauern – woher weiß man, dass der Spender dafür kein Verständnis hätte?

Sondern der Ausschuss hat auf Antrag der CDU entschieden – übrigens nur mit einer Stimme Mehrheit -, dass die dritte Figur (Zeitungsleser) zunächst „zeitlich befristet“ aufgestellt werden soll, was auf meine Nachfrage heißen soll „bis ein Konzept verabschiedet ist und die Figur dadurch unter Umständen einer Bewertung zu unterziehen ist“. Aber ist jemand so naiv zu glauben, dass eine Schenkung von einem Privatmann bald nach der Aufstellung wieder abgebaut werden kann, ohne den Schenker vollends zu brüskieren?

Zusatzinfo 1:
Im Kulturplanungsprozess haben sich die Kulturschaffenden mit der Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt und im Maßnahmenplan unter Nr. 13 die Verwaltung beauftragt, „die Kunst im öffentlichen Raum zu erfassen, zu katalogisieren und die Möglichkeit einer Bewertung zu prüfen. Die Erfassung soll auch mit dem Ziel einer erweiterten Nutzung erfolgen (Touren, Wegen, Menschen an diese Orte führen) und das Bewusstsein für die Gestaltung des öffentlichen Raumes verbessern.“
Zur Umsetzung: Eine Übersicht über die Kunstwerke gibt es inzwischen im Online-Kulturhandbuch Lippstadt. Die Politiker haben die Verwaltung im November 2016 mit der Erstellung eines Konzepts beauftragt.

Zusatzinfo 2:
Eine Bewertung der ersten Figur von Peter Hofmann gibt es im Lippstädter Kulturblog:
www.kultur-in-lippstadt.de/beton-es-kommt-darauf-an-was-man-daraus-macht

Zusatzinfo 3:
Der Deutsche Städtetag hat im Juni 2013 eine Handreichung zum Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum beschlossen. Darin heißt es „Die Neuschaffung von Kunst im öffentlichen Raum bedarf eines Konzepts, eines Budgets, professionellen Handelns und fachlich kompetenter Entscheidungsgremien.“
http://www.staedtetag.de/presse/beschluesse/065053/index.html

Kategorien: Kultur, SPD-Fraktion Lippstadt, Stadtentwicklung | Stichwörter: , , , , , .

Eine Antwort auf Die Betonpuppen

  1. Sabine Pfeffer sagt:

    Ich fände diese Aussage , temporär auf einem Karton neben den Betonfiguren als „Installation “ im öffentlichen Raum sehr angebracht ….. braucht ja keinen Entscheider ….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.