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Bericht der Wirtschaftsförderung: Wir haben Fragen
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In der Ratssitzung am 13. November wird der Wirtschaftsförderer der Stadt Dr. Ingo Lübben den alljährlichen Rechenschaftsbericht der Wirtschaftsförderung Lippstadt GmbH vorlegen.

Zum Arbeitsmarkt hat unsere Fraktion einige Fragen und deshalb den Bürgermeister gebeten, diese von Herrn Dr. Lübben beantworten zu lassen. Der Hintergrund: Die wirtschaftliche Situation in unserer Stadt ist derzeit hervorragend. Die Gewerbesteuer steigt und steigt und steigt, ebenso der kommunale Anteil an der Einkommensteuer. Gewerbeflächen sind Mangelware, ebenso Grundstücke für den Wohnungsbau. Noch nie gab es in Lippstadt so viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und noch nie so viele Einpendler. Und dennoch hört und liest man immer auch Kritik an der Struktur des Arbeitsmarktes. Darüber möchten wir ein klareres Bild bekommen. Alle Fragen beziehen sich auf Artikel, die in den letzten Monaten von der heimischen Presse veröffentlicht worden sind.

1) Immer mehr Berufstätige sind armutsgefährdet
(Der Patriot, 7. Juli 2017)
Die Zahl der Berufstätigen, die unter die Schwelle der Armutsgefährdung fallen, habe sich zwischen 2004 und 2014 verdoppelt, berichtet die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. 2004 waren es knapp 1,9 Millionen arbeitende Armutsgefährdete, 2014 fast 4,1 Millionen. Als armutsgefährdet gelten die Erwerbstätigen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben.
Frage: Wie hoch ist der Anteil der Armutsgefährdeten an der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Lippstadt?

2) Unsichere Jobs nehmen zu
(Der Patriot, 27. Juli 2017)
Vier von zehn Arbeitnehmern im Kreis Soest haben keine volle Stelle, sondern arbeiten in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob. Die Industriegewerkschaft (IG) Bau kritisiert den klar steigenden Trend und spricht von einer Schieflage: Lag die Quote dieser atypischen Jobs 2003 noch bei 32 Prozent, ist sie im vergangenen Jahr auf 41 Prozent gestiegen.
Frage: In welchen Branchen muss in Lippstadt von einer Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse gesprochen werden?

3) Leiharbeiter sind länger krank als Festangestellte
(Der Patriot, 11. August 2017)
Nach einer Auswertung der Techniker-Krankenkasse fehlten Leiharbeiter im vergangenen Jahr durchschnittlich an 20,3 Tagen. Das waren 5,6 Tage mehr als bei Arbeitsnehmern in den übrigen Branchen (14,7 Tage). Vor allem Muskel-Skelett-Erkrankungen führten bei Leiharbeitern zu mehr Krankheitstagen. Körperlich schwere Arbeit wird als eine Ursache gesehen, hinzu kommen unter anderem der Wechsel der Einsatzorte und Arbeitsbereiche sowie eine relativ hohe Arbeitsunsicherheit der Zeitarbeiter. Zudem wirkten sich die schlechten Jobperspektiven auf die Gesundheit aus.
Frage: Sind diese Erkenntnisse auch auf Lippstadt bezogen realistisch oder gibt es signifikante Abweichungen?

4) 2,7 Millionen Nebenjobs
(Der Patriot, 30. August 2017)
Immer mehr Menschen in Deutschland gehen zusätzlich zu ihrem Hauptberuf einem Nebenjob nach. Laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit gingen im Dezember 2016 insgesamt fast 2.7 Millionen Arbeitnehmer im Nebenjob einer geringfügigen Beschäftigung nach.
Frage: Wie schätzen Sie – auf Lippstadt bezogen – diese Zahlen ein?

5) Arbeitnehmer im Wartestand
(Der Patriot, 7. September 2017)
Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen geht hervor, dass der Anteil an Neubeschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen im vergangenen Jahr gestiegen ist. 2016 hat fast jeder zweite Beschäftigte (45 Prozent) nur einen Arbeitsvertrag auf Zeit erhalten. Besonders hart traf es Beschäftigte zwischen 30 und 39 Jahren. Wurden 2015 38 Prozent von ihnen befristet eingestellt, waren es 2016 49 Prozent.
Frage: Wie sieht in diesem Punkt die Situation vor Ort in Lippstadt aus? Welche ernst zu nehmenden Gründe veranlassen Wirtschaft, Handwerk und Dienstleitung zu einer befristeten Anstellung ihrer Neubeschäftigten? Welche Möglichkeiten hat die WFL, um gegenzusteuern?

6) Mehr Verstöße bei Mindestlohn
(Der Patriot, 22. September 2017)
Die Behörden haben im ersten Halbjahr 2017 2.433 Ermittlungsverfahren wegen nicht gezahlter Mindestlöhne eingeleitet – deutlich mehr als vor einem Jahr. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) prüfe verstärkt mit dem Ziel, mehr als früher Branchen ins Visier zu nehmen, bei denen am ehesten mit Verstößen zu rechnen sei.
Frage: Wie schätzt die WFL die Einhaltung der Bestimmungen zum Mindestlohn in Lippstadt ein? In welchen Branchen ist nach Kenntnis der WFL am ehesten mit Verstößen zu rechnen? Gibt es dazu verlässliche Zahlen?  

7) Uns fehlen nur Facharbeiter
(Der Patriot, 25. September 2017)
Andreas Kappelhoff von Hagen & Goebel aus Soest beklagt wie viele Maschinenbauer den Mangel an Fachkräften.
Frage: In welchen Branchen mangelt es in Lippstadt an Fachkräften? Was unternehmen die Unternehmen selbst, auf den ersten Blick nicht ausreichend qualifiziertes Personal aus- und fortzubilden?  

8) Noch jahrelang Aufschwung
(Der Patriot, 29. September 2017)
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich aus der Sicht der Wirtschaftsforschungsinstitute weiter verbessern. Die Zahl der Erwerbstätigen nehme zu, wenn auch mit geringerem Tempo.
Frage: Mit welcher Entwicklung auf dem Lippstädter Arbeitsmarkt rechnet die WFL für die kommenden Jahre?

9) Für 30 Millionen „Arbeit auf Abruf“
(Der Patriot, 4. Oktober 2017)
Sieben Prozent der über 30 Millionen abhängig Beschäftigten in Deutschland arbeiten mindestens an einem Tag im Monat nicht nach festen Arbeitszeiten, sondern nur „auf Abruf“. In der Industrie arbeiten dem Bericht der Rheinischen Post zufolge, basierend auf der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion, vier Prozent aller Beschäftigten auf Abruf, im öffentlichen Dienst sechs Prozent. Im Dienstleistungssektor und im Handwerk liegt der Anteil bei acht Prozent.
Frage: Wie sieht dazu die Situation in Lippstadt aus? Um welche Tätigkeiten handelt es sich vorrangig?

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Kategorien: Arbeit, Soziales, SPD-Fraktion Lippstadt, Wirtschaft | Stichwörter: , , , , .

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