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Jakob Koenen - ein Mann mit vielen Verdiensten Rede von Friedrich-Wilhelm Herhaus, der Jakob Koenen seit 1958 als Stadtdirektor eng begleitet hat, anlässlich des Empfangs der Stadt Lippstadt und der Lippstädter SPD Meine sehr verehrten Damen und Herren! Vom Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Lippstadt, Herrn Hans-Joachim Kayser, bin ich gebeten worden, anlässlich des 100. Geburtstages von Jakob Koenen die Laudatio zu halten. Diesem Wunsch komme ich gern nach, weil ich mich nach wie vor mit Jakob Koenen eng verbunden fühle. Jakob Koenen wurde am 5. Juni 1907 in Lippstadt geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Lippstadt erlernte er das Handwerk des Sattlers, Polsterers und Dekorateurs in Bautzen (Sachsen). Die Gesellenjahre verbrachte er in verschiedenen Städten und legte 1930, also mit 23 Jahren noch sehr jung, die Meisterprüfung ab. Es folgte zunächst die Tätigkeit in der Geschäftsführung eines Handwerksbetriebes und ab 1933 die Selbstständigkeit als Handwerksmeister in Lippstadt. Von 1940 bis 1945 war er Soldat, zuletzt mit dem Dienstgrad eines Fahnenjunker-Feldwebels.Nach dem Krieg widmete er sich neben seiner handwerklichen Tätigkeit seit 1946 der Kommunalpolitik. Er wurde zunächst Mitglied der Stadtvertretung Lippstadt und 1948 Bürgermeister Lippstadts. Nach den Vorschriften der jeweils geltenden Gemeindeordnung war eine Wahl nach Ablauf von zwei Jahren und sodann von fünf Jahren erforderlich. Jakob Koenen zeichnete es in besonderem Maße aus, dass er trotz der unterschiedlichen parteipolitischen Zusammensetzung des Rates der Stadt seit 1948 ununterbrochen Bürgermeister dieser Stadt gewesen ist. Er war der dienstälteste Ratsvorsitzende des Landes Nordrhein-Westfalen. 1966 verlieh ihm auf Grund seiner Verdienste der Rat den Ehrenring der Stadt Lippstadt. 1968 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz, das ihm von dem damaligen Ministerpräsidenten Heinz Kühn überreicht wurde. 1973 wählte ihn der Rat der Stadt Lippstadt einstimmig zum Ehrenbürger. Leider konnte er sich des Ehrenbürgerrechts nicht mehr lange erfreuen. Am 16. Januar 1974 starb Jakob Koenen. Ich persönlich lernte Jakob Koenen am 17. September 1956 im Rathaus in Lippstadt kennen. Anlass war meine Bewerbung um die ausgeschriebene Stelle eines Stadtrechtsrates und Stadtkämmerers. Nachdem ich in die engere Wahl gekommen war, wurde ich gebeten, mich dem Haupt- und Finanzausschuss und dem Rat – in beiden Gremien hatte Jakob Koenen nach den Vorschriften der Gemeindeordnung den Vorsitz inne – vorzustellen. Er machte auf mich von Anfang an mit seinem gewinnenden Wesen einen guten Eindruck, der sich im Verlauf der Vorstellungsgespräche noch vertiefte. Nachdem ich vom Rat gewählt worden war und am 2. Januar 1957 meinen Dienst angetreten hatte, begann die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister. Diese dienstlichen Kontakte wurden nach meiner Wahl zum Stadtdirektor – dieses Amt übernahm ich am 1. März 1958 als Nachfolger des damaligen Stadtdirektors Franz Harrenkamp – noch enger und bestanden bis zu seinem Tod am 16. Januar 1974; das heißt 17 Jahre arbeiteten wir gemeinsam für die Stadt .Die erste Zusammenarbeit erstreckte sich auf die Planung und den Bau der B 55, der sogenannten Umgehungsstraße. Alte Lippstädter wissen, dass früher die B 55 durch das Zentrum der Stadt führte; das heißt in Richtung Süd–Nord durch die Lange Straße und Wiedenbrücker Straße und in Richtung Nord–Süd durch die Wiedenbrücker Straße und Nord-, Cappel- und Blumenstraße. Man stelle sich vor, es wäre heute noch so. Der Verkehr bräche zusammen. Dass diese Baumaßnahme zügig in Angriff genommen werden konnte, war im wesentlichen das Verdienst von Jakob Koenen. Er war – wie wir alle wissen – von 1953 bis 1969 Mitglied des Bundestages. In dieser Zeit konnte er mit dem damaligen Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm Verbindungen anknüpfen und Umgehungsstraße initiieren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als am 15. Oktober 1960 die Umgehungsstraße dem Verkehr übergeben wurde. Wie hartnäckig und intensiv Jakob Koenen hierfür geworben hatte, brachte Seebohm bei der anschließenden Feier zum Ausdruck. Er wies darauf hin, dass der Abgeordnete Koenen ihn im Bundestag ständig auf die B 55 angesprochen habe. Zuletzt habe er stets einen großen Bogen um ihn gemacht, um ihm auszuweichen. Dieser habe aber nicht locker gelassen und immer wieder auf die B 55 aufmerksam gemacht. In guter Erinnerung haben wir noch die Gespräche über den Bau des Hallenbades – ein besonderes Anliegen von Jakob Koenen. Er hatte damals viele Gegner, die damit argumentierten, die Stadt könne es sich nicht leisten, ein solches Bad zu bauen und zu unterhalten. Er hat aber diejenigen, die anderer Meinung waren, überzeugt und am Ende hat sich gezeigt, dass er auf dem richtigen Weg war. Wenn ich noch einmal auf das Hallenbad zurückkommen darf, war die Einführung der sogenannten Hallenbadzigarette; das heißt jeder Raucher sollte täglich auf eine Zigarette verzichten und den Gegenwert einer Hallenbadspende zuführen, sein Gedanke. In diesem Zusammenhang muss ebenfalls die Hallenbadlotterie erwähnt werden. Mitglieder des Rates, Angehörige der Verwaltung und Vertreter von Vereinen verkauften in großem Umfang Lose dieser Lotterie. So gingen auch Jakob Koenen und ich mit dem Bauchladen durch die hiesigen Gaststätten und boten Lose an. Mit großem Erfolg, wie sich später herausstellte! Er opferte sogar einen Teil seines Haupthaares zugunsten einer großzügigen Spende für das Hallenbad im Rahmen einer Wette. Auf diese Weise kamen erhebliche Gelder zusammen. Insgesamt betrug das Spendenaufkommen über eine halbe Million DM. Hierauf wie damals der Bundespräsident Heinrich Lübke während einer Mitgliederversammlung des Deutschen Städtebundes hin und bezeichnete diese Aktion als Ausdruck positiven Bürgersinns. 1966 konnte das Hallenbad dann endlich der Bürgerschaft übergeben werden. 1974 beschloss der Rat, das Hallenbad in Jakob-Koenen-Bad umzubenennen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich seinen Einsatz für das Stadttheater. Wir bezeichneten dieses Vorhaben als Mehrzweckaula, weil das Gebäude einmal als Aula für das Ostendorfgymnasium sein sollte, darüber hinaus auch als Musik- und Sprechtheater und Konzertsaal gedacht war. Über dies war der Bau für Veranstaltungen von besonderer Bedeutung vorgesehen, 1973 wurde das Stadttheater eingeweiht. Seit dieser Zeit erfreut es sich allgemeiner Beliebtheit. Besondere Verdienste erwarb sich Jakob Koenen um die Beseitigung der Wohnungsnot in Lippstadt. Es ist allgemein bekannt, wie groß der Bedarf der Bevölkerung nach dem Krieg war. Die Wohnungsnot konnte nicht durch Wohnraumbewirtschaftung, sondern nur durch Wohnungsbau behoben werden. Er ergriff die Initiative und setzte sich für die Gründung der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft ein. Dieses Unternehmen ist auch heute noch aktiv und verfügt jetzt über cirka 1.5000 Wohnungseinheiten. Auch die sogenannte Schwerpunktsiedlung im Süden der Stadt stand auf seinem Programm. Dank seiner Beziehungen zu Bonn erhielt die Stadt den Zuschlag für den Bau zahlreicher Wohnungen, die von der GWL verwirklicht wurden. Diese sind Zeichen der Arbeit von Jakob Koenen. Die Förderung des Sports galt nicht nur dem Schwimmsport, sondern auch dem Kanu-Slalom-Sport. Das frühere Leistungszentrum an der Lippe ist mit sein Werk. Wie sehr er sich mit dieser Sportart verbunden fühlte, zeigten die Olympischen Spiele 1972 in Augsburg. Dort fand der Kanu-Slalom-Wettbewerb statt. Am Start war auch die Lippstädterin Ulrike Deppe. Jakob Koenen, Erich Hoffacker und ich waren mit dabei und feuerten Ulrike an. Leider reichte es nicht für eine Medaille. Sie belegte aber einen beachtlichen Platz. Erwähnen möchte ich auch die Gründung des Kulturrings Lippstadt. Auf diesem gebiet war Jakob Koenen ebenfalls tätig.“ 1958 wurde Lippstadt wieder deutsche Garnison. Obwohl die SPD-Fraktion im Bundestag gegen die Einführung der Wehrpflicht gestimmt hatte, stellte Jakob Koenen sofort Verbindungen zwischen Bundeswehr und Stadt her. Der erste Empfang, an dem ich mich noch gut erinnere, fand in der Gaststätte Hülsemanns Schänke statt. Danach gab es weitere intensive Kontakte. Nicht vergessen wurden die britischen Streitkräfte, zu denen wir auch enge Beziehungen unterhielten. 1973 zeichnete die Stadt das 22. Signal Regiment und das Fernmeldebataillon 7 mit dem Stadtbürgerrecht aus. Diese Ehrung wurde groß auf dem Rathausplatz begangen. Initiativ ist Jakob Koenen auch bei der Gründung der Partnerschaft zwischen der niederländischen Gemeinde Uden und der Stadt Lippstadt geworden. Der Udener Beigeordnete Aldenhuysen kam eines Tages zu Jakob Koenen und mir, um eine Partnerschaft zwischen beiden Städten anzuregen. Wir kannten bis dahin Uden nicht und hatten infolgedessen keine Vorstellung von diesem Ort. Jakob Koenen, Hildegard Rösler und ich fuhren „inkognito“ nach Uden, um uns dort umzusehen. Die Stadt machte einen guten Eindruck. Wir suchten dann unter anderem das Rathaus auf und fragten einen Mann im Eingangsbereich, ob er deutsch spräche, was dieser bejahte. Die nächste Frage war: „Wo erreichen wir den Bürgermeister?“ Antwort: „Er steht vor Ihnen!“ So fing alles an und führte schließlich zur Partnerschaft zwischen Uden und Lippstadt. Zum Glück entwickelte sich die Partnerschaft sehr erfolgreich. Wir wollten ja nicht „Kommunaltouristen“ werden, sondern die Bürger beider Städte motivieren und intensiv beteiligen. Ich meine, dass es uns auch gelungen ist. Zu nennen sind überdies seine Aufgaben als Mitglied des Kreistages, als Vorsitzender des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen, Schatzmeister des Deutschen Fußballbundes, Vizepräsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen und Vizepräsident des Städtebundes Nordrhein-Westfalen. Auch setzte er sich als Vorsitzender des Sparkassenrates der Stadtsparkasse Lippstadt für die Belange dieses städtischen Institutes ein. Jakob Koenens Einsatz erstreckte sich darüber hinaus auf die Beseitigung der plangleichen Kreuzung Stirper Straße. Obwohl er nicht mehr im Bundestag war, hatte er noch gute Kontakte zum damaligen Bundesverkehrsminister Georg Leber und dessen Staatssekretär Holger Börner, dem späteren Ministerpräsidenten von Hessen. Ihm gelang es, das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bundesbahn von der Notwendigkeit einer vierspurigen Unterführung zu überzeugen. Leider erlebte er die Vollendung nicht mehr. Diese fand am 25. Juli 1974 statt.Mit der Schilderung dieser Tätigkeiten habe ich nicht alle Verdienste von Jakob Koenen aufführen können. Es gäbe noch viel mehr zu berichten. Dies würde aber den Rahmen der heutigen Veranstaltung sprengen. Sie meine Damen und Herren, haben gehört oder es auch selbst erlebt, dass sich Lippstadt in den Jahren des Wiederaufbaus in ihrer Bedeutung und in ihrem Ansehen erfreulich weiter entwickelt har. Das ist zu einem großen Teil das Verdienst unseres früheren Bürgermeisters Jakob Koenen. Seine Tatkraft und sein Gerechtigkeitssinn waren für das Gedeihen unserer Stadt von großem Wert. Er hatte aber auch den Mut, unpopuläre Maßnahmen dem Rat vorzuschlagen und die Fähigkeit, den Rat von der Richtigkeit und Notwendigkeit dieser Vorschläge zu überzeugen. Die Stadt hat allen Grund, Jakob Koenen für die uneigennützige und beispielhafte Förderung des örtlichen Gemeinwesens zu danken. Er hat vorbildlichen Bürgersinn in vielen Jahren unter Beweis gestellt. Er verfolgte in unermüdlicher und erfolgreicher Arbeit, unter Zurückstellung persönlicher Vorteile und Annehmlichkeiten, nur ein Ziel, das Wohl unserer Stadt und ihrer Bürger. Seine Tatkraft und sein Einsatz haben die Entwicklung der Stadt Lippstadt wesentlich beeinflusst. Er war nicht nur Inhaber eines Amtes, wie es die Gemeindeordnung vorschreibt, sondern Jakob Koenen war für mich mehr. Als Sohn unserer Stadt, der bis zuletzt mit dem Boden seiner Heimat verbunden war, ist er für mich stets ein lebendiger Teil unseres Gemeinwesen gewesen. Ich bemerkte bereits, dass ich mich seit 1957 mit Jakob Koenen gemeinsam für die Stadt Lippstadt eingesetzt hätte. Auf diesem Weg haben wir uns nicht nur in der Arbeit, sondern auch menschlich zusammengefunden. Denn eine jahrelange Arbeit gemeinsame Arbeit verbindet und schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das über das Dienstliche hinausgeht. Ich habe bei ihm immer ein offenes Ohr und ein von echter Hilfsbereitschaft getragenes Verständnis gefunden. Unsere persönlichen Beziehungen zueinander ließen ihn mir zum väterlichen Freund werden. Er hat mir und vielen anderen von seiner menschlichen Größe und Reife viel gegeben. Wie viel Ruhe, überlegene Weisheit und Güte strahlten seine Augen aus, aber auch der Humor kam nicht zu kurz. Unvergessen ist für mich und sicher für all diejenigen, die ihn kannten, die ernorme rhetorische Begabung Jakob Koenens. Er besaß die Fähigkeit, zu jeder Zeit, an jedem Ort das richtige Wort zu finden. Dabei habe ich selten erlebt, dass er sich vorbereitete. Er verstand es hervorragend, aus dem Stegreif zu sprechen und ausgezeichnet und überzeugend zu formulieren. Sorgen und Mühen um ernste Probleme unserer Stadt gewannen im Gespräch mit ihm Klarheit und gelangten in den menschlichen Bereich, aus dem alle Lösungen heraus einfacher werden. All diejenigen, die ihn in vertrauensvoller Freundschaft, mit seiner stets inneren Heiterkeit und seiner menschlichen Wärme erlebt haben, werden das Geschenk dieses Lebens bewahren. Sein Name und seine Leistung sind die Geschichte Lippstadts eingegangen. Hierfür werden wir ihm immer zu Dank verpflichtet sein. |